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WER RETTET DEN FLIESEN-MARX?

29.DEZEMBER 2025 von Sebastian Bähr

Fliesenwandbild

Wenn niemand zuständig ist: Der Kampf um das Erbe des DDR-Fliesenkünstlers Lothar Scholz

DDR-Kunst verschwindet leise: durch Verfall, Diebstahl, bei Sanierungen. Eine Reportage über den prägenden Arbeiterkünstler Lothar Scholz – und die Menschen, die versuchen, sein Werk gegen alle Widerstände zu retten. Ein Auto frisst sich durch die brandenburgische Nacht. Winter, leere Landstraßen, irgendwo im Landkreis Teltow Fläming. Am Steuer sitzt der Architekt Martin Maleschka, Vollbart. Er hat noch zwei Freunde dabei. Sie sind auf DDR-Kunst-Rettungsmission. Genauer: Fliesenkunst. Bevor es losging, schrieb Maleschka dem zuständigen Landeskonservator Kurznachrichten und tippte die Worte „Gefahr im Verzug“, ins Handy. „Wir müssen schnell was machen.“ Die Antwort kam knapp: kein eingetragenes Denkmal, keine Verantwortung der Behörde. Also düsten Maleschka, der mit dem Deutschen Preis für Denkmalschutz geehrt wurde, und seine Freunde selber los. Jetzt drückt er das Gaspedal noch tiefer. Kurz darauf hält der Wagen im 700-Einwohner-Ort Saalow. Vor den drei Männern liegt ein ehemaliges DDR-Pflegeheim: verlassener Gebäudekomplex, eingeschlagene Fenster, überall Graffiti. Ein Abenteuerspielplatz für urbane Entdecker – und ein Ort, an dem DDR-Kunst langsam verschwindet.

ARCHITEKTUR IM DIALOG 

23.JANUAR 2025

Fliesenwandbild Lothar Scholz

Erweiterungsbau DDR-Typen-Schule in Boizenburg – Architektur im Dialog mit Kunst und Raum

Die Rudolf-Tarnow-Schule in Boizenburg ist ein prägnantes Beispiel für die Schularchitektur der DDR. Als Bau des „Typ Schwerin“ zeichnet sie sich durch ihre H-Form und eine klare, funktionale Formensprache aus, die auf die Bedürfnisse einer damaligen Lern- und Lehrkultur zugeschnitten war. Die Schule wurde nicht nur als Ort des Wissens, sondern auch als gesellschaftlicher Ankerpunkt verstanden. Ein zentrales Element des Bestandsgebäudes ist das unter Denkmalschutz stehende Fliesenbild „Manches Herrliche der Welt…“ von Lothar Scholz. Mit seiner beeindruckenden Größe von 13 x 8 Metern bildet das Kunstwerk einen visuellen wie auch ideellen Mittelpunkt der Schule. Es wurde 1971 geschaffen und spiegelt die handwerkliche Perfektion und künstlerische Ausdruckskraft wider, für die Scholz bekannt war. Die Inschrift – ein Zitat von Goethe – ruft zur Bewahrung und Wertschätzung dessen auf, was von Wert und Bedeutung ist: „Manches Herrliche der Welt ist in Krieg und Streit zerronnen, wer beschützet und erhält, hat das schönste Los gewonnen.“ Diese Mahnung und Inspiration war Leitmotiv unseres Entwurfs: Wie kann eine Erweiterung entstehen, die den Bestand respektiert und gleichzeitig zukunftsweisende Impulse setzt?

DAS EINZIGE MUSEUM DIESER ART

Über 2000 historische Fliesen aus der Zeit um 1880 bis 1925

FLIESENMUSEUM Boizenburg

Historische Fliesen und Fliesenbilder aus drei Jahrhunderten

Das Boizenburger Fliesenmuseum ist das einzige Museum dieser Art in Deutschland. Über 2000 historische Fliesen aus der Zeit um 1880 bis 1925 werden auf 500 m² ausgestellt. Ein Schwerpunkt sind Fliesen aus der Jugendstilzeit. Das im Zentrum der Altstadt Boizenburgs gelegene Erste Deutsche Fliesenmuseum entstand auf Initiative von Freunden und Interessenten der keramischen Fliese und ehemaligen Mitarbeitern der Boizenburger Fliesenfabrik. 1998 eröffnet, hat es in relativ kurzer Zeit wegen seiner hohen Attraktivität internationale Anerkennung und Mitwirkung erfahren. Das Erste Deutsche Fliesenmuseum widmet sich vorrangig der Epoche frühindustrieller Fliesen in Deutschland und Europa und zeigt auf 500 qm Fläche in Wechselausstellungen tausende Fliesen im Stile des Historismus, des Jugendstils und des Art déco. Einblicke in Fertigungs- und Dekorierverfahren sowie in sozialgeschichtliche Wandlungen ergänzen das Gesamtbild. Kabinettausstellungen bieten Exkurse in die Vielfalt der Geschichte der Fliesenkunst bis zur Gegenwart. Jährlich findet mindestens eine Fliesensammlerbörse statt.

BADEN OHNE MOSAIK

BERLINER KURIER 12.DEZEMBER 2025 von Norbert Koch-Klaucke

Schwimmbad mit Fliesenwandbild von Lothar Scholz

Nach 7-Millionen-Sanierung: DDR-Schwimmhalle öffnet – aber ein Kult-Detail fehlt

Der Abriss des DDR-Spaßbades SEZ sorgt derzeit für heftige Debatten. Aber es geht auch anders. Statt Abriss-Bagger wüten zu lassen, hat man im Lichtenberger Ortsteil Hohenschönhausen sogar ein Hallenbad aus DDR-Zeiten saniert. Allerdings fiel den Arbeiten ein Wandgemälde im Inneren des Gebäudes zum Opfer. Die Schwimmhalle und Sauna an der Zingster Straße: Zwei Jahre lang war das Badeparadies dicht. Die Berliner Bäderbetriebe scheuten keine Kosten, den Mini-Plattenbau zu sanieren. Wurde auch Zeit. Denn an der Schwimmhalle hatte ordentlich der Zahn der Zeit genagt. Der DDR-Bau ist nicht irgendeine von vielen Schwimmhallen, die es im Osten gab. Das Badeparadies an der Zingster Straße war die erste Schwimmhalle im damaligen Ost-Berliner Stadtbezirk Hohenschönhausen. Am 12. November 1988 wurde sie eröffnet. Und sie war eine der letzten Schwimmhallen, die in der DDR-Hauptstadt zusammen mit einer Sauna gebaut wurden. 25-Meter-Becken, Nichtschwimmerbecken und die Schwitzabteilung: Im Inneren ist die Sanierung deutlich zu sehen. Sämtliche Dusch-, Sanitär- und Umkleidebereiche wurden erneuert. Das Nichtschwimmerbecken ist nun wie das große Becken mit Edelstahl ausgekleidet. Sogar Unterwasserscheinwerfer gibt es, die für eine tolle Atmosphäre sorgen sollen. DDR-Schwimmbad: Beim Umbau verschwand Kunstwerk Neue Beleuchtung (auch vor der Halle), neues Foyer, neue Umkleiden. Sogar Föhne können gratis ausgeliehen werden. Sportsenatorin Iris Spranger (SPD) soll staunen, wenn sie am Freitag zur Wiedereröffnung kommt, wie schön man in Berlin DDR-Schwimmhallen auch sanieren kann. Die Badegäste dürfen erst einen Tag später in das sanierte Badeparadies. Ab 10 Uhr ist Anbaden, ab 13 Uhr wird es sogar eine Pool-Party geben. Stammbadegäste werden allerdings eins vermissen: Das Wandmosaik, das zuvor an der Stirnseite der Schwimmhalle zu sehen war – es ist nicht mehr da! Da wurde also die DDR-Schwimmhalle für fast sieben Millionen Euro schön saniert, doch das Schmuckstück des Hauses konnte man nicht erhalten? „Bedauerlicherweise“, teilen die Bäderbetriebe mit. Weiter heißt es: „Hinter den Fliesen, die noch aus den 1980er-Jahren stammten, hatten sich Hohlräume gebildet. Die Fliesen des DDR-Keramikers Lothar Scholz mussten daher entfernt werden.“ Statt des Originals gibt es nun ein Bild, das dem einstigen Mosaik ähnelt.

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Adresse

Reichenstraße 4

19258 Boizenburg

Kontakt

Email:  fliesenreich@t-online.de
Tel.:  +49 (0) 38847/ 53 881

WINTERFERIEN
VOM 18.Dezember.2023 

BIS 23.Januar2024

Öffnungszeiten

 

Dienstag - Freitag  10- 16 Uhr

von Juli - August  Sa-So 14-17 Uhr

von September - Juni Sa- So 14-16 Uhr

 

Winterpause

vom 23.12.2025 -  10.2.2026

 

Hinweis zu den Öffnungszeiten:

An allen gesetzlichen Feiertagen – sowohl bundesweit als auch im Bundesland – bleibt das Museum geschlossen. Wir danken für Ihr Verständnis.

gefördert von:

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